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Eine RP-Kolumne von Hans-Josef Kuypers, Wirtschaftsförderung Kreis Kleve

   

Ausgabe 27 / 08.07.2020

Ein Jahr wie keines

Erwartet haben es alle Berufskollegen seit Wochen – seit wenigen Tagen ist es nun beschlossene Sache: Die Expo Real in München, die größte Messe für Immobilien und Investitionen, wird in diesem Jahr nicht in gewohnter Weise stattfinden. Seit langem schon gehörten die ersten Tage im Oktober diesem internationalen Branchentreffen, das Jahr um Jahr mehr Interessierte anzog und auch deshalb zum Who is Who der Branche wurde. Wer nicht da ist, der findet nicht statt. So einfach ist das. So sehen es die Großen, und so empfinden es auch die Übrigen, die nun umso mehr ihre Netzwerke strapazieren dürften, um aus den Kontakten der Vergangenheit die Gesprächsfäden für morgen aufzunehmen. 

Für die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve ist 2020 ein Kalenderjahr, das sich wie keines zuvor in der 25jährigen Geschichte entwickelt. 16 gemeinsame Unternehmerfrühstücke in allen Städten und Gemeinden des Kreisgebietes: abgesagt. 16 Unternehmerabende allerorten: abgesagt. Die Provada in Amsterdam: abgesagt. Ob das Forum Kreis Kleve – die Jahres-Hauptveranstaltung mit bislang stets mehr als 300 Gästen diesmal in Wachtendonk stattfinden wird – wer weiß es? Und wenn ja, kann es dann überhaupt zur Verleihung des Hochschulpreises der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve kommen, wenn die Hochschule Rhein-Waal ihren Lehrauftrag fast ausschließlich auf elektronischem Weg hat erfüllen können? 

Stattdessen hat der persönliche Austausch mit unternehmerisch Tätigen rapide zugenommen. Der Mail-Verkehr ist geradezu explodiert und die Telefonate vervielfacht. Kurzum: Das Beratungsgeschäft brummt deutlicher als zu den Zeiten des Austausches am Rande von Branchentreffen.

Allerdings: Die teils deprimierenden Inhalte beschäftigen uns zuweilen mehr denn je. Aktuell wurden wir zu einem engagierten Gastronomen und Caterer gerufen, der uns um Besonderes bat: „Wir sind acht Branchenkollegen – und wir möchten um Koordinierung eines Treffens mit einem Insolvenzverwalter bitten. Wir wollen einfach das Schlimmste verhindern.“ 

Die Kreis-WfG konnte sich nicht an die Vorstellung der Zusammenarbeit mit einem Insolvenzverwalter gewöhnen und bot im Gegenzug an, einen Sanierungsspezialisten aus der Region um Schulterschluss zu bitten. Das erste Treffen ist terminiert, der erste Austausch steht vor der Tür.  

 

Ausgabe 26 / 01.07.2020

Mit Elten im Rücken ins Oberhaus der Bundesliga

Oberflächlich betrachtet könnte man meinen: Alles beim Alten. Die Bayern sind Deutscher Meister, zum achten Mal in Folge, die Dortmunder wurden „Vize“. Vorbei die Fußball-Bundesliga-Saison – Deckel drauf. Durch die Kreis-Kleve-Brille eines Wirtschaftsförderers betrachtet allerdings gab es da doch mehr. 

Zwar sind die Zeiten längst vorbei, seit freundlich-grüne Diebels-Fahnen über den Stadien in Düsseldorf und Mönchengladbach wehten und auf den Trikot-Sponsor aus dem Altbierdorf Issum hinwiesen, doch haben auch in dieser Spielzeit Unternehmen aus dem Kreisgebiet ihre Leistungsfähigkeit und -bereitschaft landauf landab vor die Kameras der Sportwelt gerückt. 

Für die Wirtschaftsförderer eines Kreisgebietes ist es nach wie vor eine mit Stolz verinnerlichte Erkenntnis, dass der Spielball in Liga Eins von DERBYSTAR aus Goch kommt. Wann immer, und dies passiert sehr oft, das runde Leder auf dem Weg ins Eckige vor irgendeine Kamera rollt und der Name des Produktes in die heimischen Stuben geliefert wird, dann ist hier DERBYSTAR zu lesen. Das hat schon Schulterklopfen verdient in diesen von Corona geprägten Fußballzeiten. 

Mehr als Schulterklopfen dürfte man zum Saisonausklang auch in Mönchengladbach geboten haben. Hier hat es Trainer Marco Rose tatsächlich geschafft, seine Borussia auf Platz vier und damit in die Champions-League-Etage zu bringen. Und Rainer Bonhoff, der in Emmerich am Rhein geborene Fußball-Weltmeister von 1974 und heutige Vize-Präsident im Fohlenstall, der wird seinen Dank an die wichtigsten Sponsoren auch an zwei Uedemer gerichtet haben: An die Herren Geschäftsführer Heiner und Jörg van Elten vom gleichnamigen Schuh-Hersteller. Eine „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ pflegen die Borussia und Elten als „Partner vom Niederrhein“, haben sich auf eine Marken-Kooperation geeinigt, die tatsächlich breite Schnittmengen hat, allem voran die lange Tradition und regionale Verbundenheit. 

Mitten im Herzen von Uedem findet nach wie vor die komplette Endfertigung der Sicherheitsschuhe Marke Elten statt – und vom Uedemer Logistik-Standort wird die Ware des 300-Mitarbeiter-Unternehmens in alle Welt geschickt. 

Neben Weltmarken wie Audi und Puma werben die Uedemer auf breiten Banden und wohlwollend platzierten Werbewänden für die Sicherheitsschuhe aus der Schustergemeinde. Und die Greenkeeper, die Stadiontechniker, die Betreuer und Ordner im weiten Fohlen-Rund tragen längst das Elten-Schuhwerk aus dem Kreisgebiet, versehen mit der legendären Borussia-Raute oder dem Schriftzug „Die Fohlen“.

Glückwünsche und Dank also nach Goch und Uedem, wo Erstliga-Luft Arbeitsplätze schafft. 

 

Ausgabe 25 / 24.06.2020

Corona ist kein Menschenfreund

Wenige Jahre erst ist es her, seit der degefest, der bundesweit tätige Fachverband für die Kongress- und Seminarwirtschaft, dem Kreis Kleve gute Chancen im sogenannten MICE-Markt eingeräumt hat. Meetings, Incentives, Conventions und Events seien es, die dieser ablenkungsarmen Region Wind unter die Flügel bringen könne. 

Gastronomen und Hoteliers lauschten seinerzeit im Rahmen einer von der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve auf den Weg gebrachten Tagung und den Fachleuten um Professor Dr. Jerzy Jaworski von der Hochschule Heilbronn. Eine Trend-Analyse festigte die Erwartungen, die vielerorts als Motivationsspritze Wirkung zeigten. „Entschleunigung“ hieß eines der Zauberworte, mit denen Manager in Tagungshäuser und auf Niederrhein-Räder gelockt werden sollten. Keine Frage, die Richtung stimmte und hat auch Wirkung gezeigt. Danke dem degefest. 

Jetzt ist Corona da. Und wieder gibt es da Anglizismen der besonderen Art, die der Welt zu Neuem verhelfen sollen. „Hybride Events“ lautet der Lockruf all´ derer, die aus dem „Social Distancing“ – aus dem Abstandhalten gemäß Corona – Trend und Philosophie ableiten wollen. Das, was Firmenchefs in ureigener Not zu iPad, Laptop und PC greifen ließ, das soll nach den Vorstellungen einiger Trendsetter in den Alltag einziehen. Ein Minimalteam koordiniert die Vertriebstagung, sorgt für den Online-Stream, schafft ein unterhaltsames, interaktives und hybrides Event. Das Technik-Equipment ist preiswerter, die Übernachtungen fallen weg, das Catering findet im Self-Service bei Muttern statt. Und last but not least: Die CO2-Emmissionen werden reduziert und die Veranstaltungsgrößen unbegrenzt sein. 

Vergessen werden da allerdings die vielen Millionen, die auch hier im Kreis Kleve in neue Tagungsräume und einladende Hotels mit vier und mehr Sternen investiert wurden. Vergessen wird hier, dass es gerade die Pausen sind, in denen alte Vertriebshasen ihre Vier-Augen-Gespräche zum entscheidenden Impuls setzen. Und vergessen wird einmal mehr, dass wir mit freundlichen, jungen und jung gebliebenen Menschen in der Gastronomie und Hotellerie zu tun haben, die mit dem MICE-Markt ihre Zukunft aufbauen wollen. Nein, Corona ist kein Menschenfreund.   

 

Ausgabe 24 / 17.06.2020

Der Wecker für die neue Struktur

Wir haben es alle gemerkt: Corona hat die Welt verändert, auch die im Kreis Kleve. Mehr als 30.000 Menschen befinden sich derzeit hier bei uns in Kurzarbeit – das sind etwa 30 Prozent aller Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Zahl der Arbeitslosen geht auf die 10.000er Marke zu. Vorbei scheinen die Zeiten, wo wir alle von Vollbeschäftigung träumten, die Exportquote hochlobten und den Fachkräftemangel beklagten. Neben vielen anderen Herausforderungen macht aufmerksamen Beobachtern zur Stunde besonders der Ausbildungsmarkt Sorgen. 

Der Appell der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve: Bleiben wir alle bei unseren zugesicherten Ausbildungsversprechen und -verträgen. Prüfen wir bitte wiederholt, ob wir nicht einem jungen Menschen mehr die Rampe für den Start ins Berufsleben bieten können. Zeigen wir Corona, dass wir vom Erfolg danach überzeugt sind. Fördergeld gibt es oben drauf.  

Wer erinnert sich nicht gerne an die ureigenen einstigen Gedanken an den künftigen Job, an die Freude über den Schul- oder Hochschulabschluss. Wer weiß nicht wie heute, dass man sich damals die Chancen und Wege zur Erfolg versprechenden Bewerbung ausguckte. Und dann war er da, der besondere Moment, an dem man erstmals den Wecker hörte, um dem Tag eine neue, eine andere Struktur zu geben. 

Alles dies mag sich in den Jahren nicht geändert haben. Und auf alles das warten die jungen Leute heute, von denen wir alle wünschen, dass sie unserem Niederrhein als Arbeitskräfte erhalten bleiben. Fast 5.000 Auszubildende gibt es in den drei Schuljahren – die Hälfte davon in Industrie und Handel. Jeder Dritte hat sich für den Weg ins Handwerk entschieden.  

Bis zum 1. August noch gibt es die Chance, sich für den gewünschten und erwarteten Aufschwung zu rüsten. Wie die Agentur für Arbeit verrät, dann sind im Kreis Kleve noch 750 unbesetzte Ausbildungsstellen gemeldet. 671 junge Leute befinden sich noch auf der Suche. Rechnerisch also scheint unsere Welt nach wie vor in Ordnung. Trotz Corona. Bislang. Rein rechnerisch.   

 

Ausgabe 23 / 10.06.2020

„Finanzgewissen“ sieht Airport Weeze „tendenziell gewinnträchtig“

Gerade zu Zeiten, in denen die Logistik zum dauerhaften Job-Motor geworden ist, sind gute Autobahn-Anbindungen, ein grenznaher Hafen und ein Flughafen im Kreisgebiet als besondere Standortfaktoren einzuordnen, die sich in jeder Hochglanz-Broschüre gut machen. Nicht allein vor diesem Hintergrund liegt es nahe, dass Wirtschaftsförderer ihre Zuneigung zu „Leuchttürmen“ dieser Art in den Genen tragen. Zweifelsfrei völlig anders dürfte dies beim Bund der Steuerzahler sein, einem Verein, den es seit Jahrzehnten gibt und der sich als „Finanzgewissen der Bundesrepublik“ empfindet. 

Eben dieser Bund der Steuerzahler hat in einer aktuellen Ausarbeitung 21 Regionalflughäfen in der Bundesrepublik genauer untersucht, von denen nur drei mehrheitlich in privater Hand sind, nämlich Frankfurt-Hahn, Memmingen und Weeze. Dieses Papier muss sich gefallen lassen, dass es den Niederrheiner trotz mancher Ernüchterung auch nachdenklich macht, Bestärkung liefert, Hoffnung streut: Unter allen untersuchten Regionalflughäfen, so der Bund der Steuerzahler, schreiben danach nur zwei Standorte in der Republik schwarze Zahlen. 

„Dabei handelt es sich um den Allgäu Airport im bayerischen Memmingen und den Flughafen Niederrhein-Weeze“, ist da zu lesen. Mehr noch: Der politische Handlungsbedarf sei „je nach Standort unterschiedlich groß. Aus Steuerzahlersicht sehr gering ist er an den Standorten, die bereits in privater Hand liegen (Memmingen, Hahn, Weeze)“, schließt das Zitat. 

„Regionalflughäfen – teure Experimente zulasten der Steuerzahler“ ist die Ausarbeitung vom März dieses Jahres, also bereits mit Blick auf Corona, überschrieben. Und nach einer Rechtfertigung für diese Hauptüberschrift muss man keineswegs lange forschen. Gut 100 Millionen Euro weist der Bund der Steuerzahler für das Jahr 2018 als bundesweite Airport-Gesamtlast für den Steuerzahler aus. Wer an dieser Stelle am Wahrheitsgehalt der schwarzen Null für Weeze zweifelt, für den kommt es noch besser: „Lediglich die Flughäfen Weeze und Memmingen, bei denen von Beginn an private Investoren engagiert waren, sind tendenziell gewinnträchtig“, ist es hier formuliert.  

Matthias Warneke steht als Autor für die Ausarbeitung, ist von Haus aus Volkswirtschaftler und leitet das Deutsche Steuerzahlerinstitut des Bundes der Steuerzahler mit Sitz in Berlin. Zu glauben, dass Warneke den Kreis Kleve besonders schätzt oder Weeze gar liebt, dafür gibt es bislang keinen Grund...

 

Ausgabe 22 / 03.06.2020

„Die Stimme eines einzelnen Kranichs...“

Gut drei Jahrzehnte dürfte es her sein, seit sich die Deutsche Lufthansa zusammen mit Naturschutzverbänden dazu entschloss, unterstützende Hilfeleistungen für den damals vom Aussterben bedrohten Graukranich auf den Weg zu bringen. Das hübsche Tier scheint heute gerettet, die Fluggesellschaft mit dem großen Kranich auf dem Flieger indessen wirkt flügellahm – musste sich selbst nach stabilisierenden Finanzspritzen umsehen. Mit neun Milliarden aus dem Bundesetat dürfte der freie Fall der stolzen Aktiengesellschaft verhindert werden. „Die Stimme eines einzelnen Kranichs ist schöner als das Tschilpen von tausend Spatzen“, zitierte das Lufthansa-Magazin vor wenigen Wochen selbst und selbstbewusst ein japanisches Sprichwort. Eine mutige Feststellung in diesen besonderen Zeiten, in denen es vielen, nicht nur der Lufthansa, dreckig geht. 

Man möge mir verzeihen, wenn ich an der Stelle nur mal so an die vielen Busunternehmer, die Busreise-Veranstalter und die Schulbus-Betreiber erinnere, die derzeit vor jedem Ersten eines Monats mit Respekt auf die nächsten Leasing-Raten für ihre Busse schielen und ihre von Personalkosten angeschlagenen Konten zusätzlich ins Rot ziehen. Über zehn Jahre lang veranstaltet die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve bislang ihren sogenannten Busunternehmer-Tag, der Ziele im Kreisgebiet vor wichtigen Entscheidern bewirbt. 

Gut hundert Busreise-Veranstalter sind jedesmal dabei – schildern beim abendlichen Bier auch die kalkulatorischen Engpässe, die mit jeder Reise an die Rheinpromenaden von Emmerich am Rhein und Rees, an den Kapellenplatz von Wallfahrtsstadt Kevelaer, ans Museum Schloss Moyland und ins Historische Wachtendonk zu meistern sind. Und sie lassen keinen Zweifel daran, dass sich die Räder ihrer luxuriösen, manches Mal eine halbe Million teuren Gefährte Tag für Tag bewegen müssen. 

Ganz genau so geht es den 14 Busunternehmern im Kreisgebiet Kleve. Über Wochen wurden sie auf den Parkplätzen ihrer Firmengelände von Corona zum Zwischenstopp gezwungen. Und wochenlang haben sie darüber nachgedacht, wie und mit welcher Auslastung sie sich wieder zurück in den Markt manövrieren können. Ist der Sommer schon ganz verloren? Wird das Weihnachtsgeschäft mit seinen Christkindl-Märkten immer noch gestört sein, für das die Prospekte gerade aus den Druckerpressen laufen müssten? Fragen über Fragen – gepaart mit der Gewissheit, dass halb volle Reise- und Schulbusse zwar Corona von der Mitreise ausschließen, die Gesundheit der Unternehmen allerdings außer Acht lassen. 

Wie hieß es doch bei der Lufthansa? „Die Stimme eines einzelnen Kranichs ist schöner als das Tschilpen von tausend Spatzen.“ So schnell kann ein Kranich nicht fliegen, dass ihn die Spatzen nicht einholen. Die ersten Demonstrationen hat es bereits gegeben, die Not wächst.

 

Ausgabe 21 / 27.05.2020

Ein erleichtertes „Endlich“

Der Markt funktioniert noch, zumindest an den Tankstellen. Das Kraftstoff-Angebot ist groß, die Nachfrage gering. Lang ist es her, seit sich an den Zapfsäulen die Literrädchen schneller zeigten als die Preise. Gegenwärtig ist es zu erleben. Am Wochenende priesen die Tankstellen in Stadt und Land den Liter Diesel-Kraftstoff für 98,9 Cent an – einen guten Zehner weniger als noch vor Tagen. Was sagt uns das: Schnell tanken, bevor das Pfingstfest da ist.

Corona hat die meisten von uns über Wochen zum Home-Office verdammt. Messe-Veranstaltungen fallen aus, Ortstermine werden durch Video-Konferenzen ersetzt, Dienstreisen finden seltener statt. Das Privatleben mit seinen Sportveranstaltungen reduziert sich derzeit auf Mattscheiben-Erlebnisse wie die fernsehtaugliche Xte Wiederholung des Jahrhundert-1:7 der Deutschen Nationalmannschaft gegen die gastgebenden Brasilianer. Keine Jugendmannschaft lässt sich mehr von den Eltern zum Rasengrün mit den zwei weißen Toren fahren. Die Pferdeanhänger bleiben derzeit noch neben den Ställen. Die City-Läufe der Vergangenheit warten auf ihre Neu-Auflagen. Mobilität reduziert sich auf Zweirad-Erlebnisse, zumal auch die Kleinsten nicht in Kitas und Grundschulen gefahren werden müssen.

Apropos: „Endlich“, so empfinden es die jungen Familien, sind sich die berufstätigen Eltern mit ihren Kleinsten im Klaren darüber, wann es denn in den Kitas mit überschaubarem gesundheitlichen Rest-Risiko weitergeht: Am Montag, 8. Juni.
Natürlich geht es in den Kitas und den Grundschulen um den pädagogischen Ansatz, geht es um die Freude der Jungen und Mädchen über das Wiedersehen der lieb gewordenen Spielgefährten, um den gewohnten Rhythmus im Tagesablauf.
Aber, so darf vermutet werden, es geht auch um die vielen pflichtbewussten Menschen in Mutter- oder Vaterrolle, die ihren Arbeitgebern einfach nur wieder klar zum Ausdruck bringen wollen: „Ja, von diesem Tag an kannst du, lieber Arbeitgeber, wieder voll und ganz auf mich setzen. Ich liebe meinen Job, und auch das möchte ich dir wieder Tag für Tag unter Beweis stellen.“ Auch dafür steht das „Endlich“.

 

Ausgabe 20 / 20.05.2020

Die glücklichsten Menschen hatten Grün hinterm Haus

Stehen Sie auf dem sonnigen Balkon hoch über den Rheinpromenaden in Emmerich am Rhein oder Rees, dann wächst die Überzeugung schnell.  Es gibt sie schon, die nicht alltäglichen Wohnlagen. Der Blick auf die Schwanenburg oder das Hochschul-Ensemble in Kleve liefert ebenso das besondere Prickeln wie die neuerlichen 1A-Plätze unweit von Steintor und Nierswelle in Goch. Wer denn den großen Besucherstrom in Wallfahrtsstadt Kevelaer aus seiner Oberwohnung am Kapellenplatz tagtäglich aus ureigenen vier Wänden verfolgen kann, der dürfte es ebenso spüren wie diejenigen, die im Herzen von Geldern oder Straelen den Pulsschlag des Lebens im Logensitz geboten kriegen. Keine Frage: Die Wohnwelt von oben liefert viele Pluspunkte. 

Aber eines steht auch fest: Zu Corona-Zeiten kamen zu eben diesen glücklichsten Menschen alle diejenigen hinzu, die ihr eigenes Grün hinterm Haus besaßen. Das Häuschen mit Garten war und ist das Nonplusultra im Durchhalte-Akt. 

Mehr als die Hälfte aller Kreis Klever, genau gesagt sind es 58 Prozent, leben hier bei uns in eigenen vier Wänden und halten damit die Wohneigentümerquote in deutlicher Distanz zum Land Nordrhein-Westfalen, das es nur auf statistische 43 Prozent bringt. 

Die eifrigsten Häuslebauer im Kreisgebiet gab und gibt es wohl in Weeze, Bedburg-Hau und Kranenburg – aber ungeachtet dessen: Corona könnte allerorten dazu motivieren, die Anstrengungen zur Grundsteinlegung derzeit zu forcieren. Über die historisch niedrigen Zinsen müssen wir nicht lange sprechen, und über stetig steigende Mieten auch nicht. 

Es wäre an der Zeit, vor Einsetzen schwächelnder Konjunktur über die Höhe der Grunderwerbsteuer intensiv nachzudenken. Bei 6,5 Prozent für Vater Staat kommen beim Hauskauf schnell fünfstellige Summen zusammen. Dieses Geld wäre beim Bankengespräch auf der Eigenkapitalseite ganz sicher besser aufgehoben. 

 

Ausgabe 19 / 13.05.2020

Der Spruch vom blühenden Geschäft

Corona hat ja vieles verursacht und steht ohne jeden Zweifel für die größten wirtschaftlichen Schäden der letzten Jahrzehnte – auch bei uns im Kreisgebiet. Eines scheint das Virus allerdings auch bewirkt zu haben: Die Menschen in der Region haben sich jüngst mehr als zuvor um Haus und Garten bemüht. 

In diesen Tagen, in denen im Nachbarkreis die Landesgartenschau ihren offiziellen Startschuss erlebt und auf den Flächen der ehemaligen Zeche Friedrich-Heinrich für die Kamp-Lintforter ein grüner Motor für den Strukturwandel entstanden ist – und zwar auf 40 Hektar Fläche – in diesen Tagen freuen sich die Gärtner und Gartenbauer vor Ort darüber, dass dem Mehr an Häuslichkeit ein leichtes Plus für die Umsätze mit Blumen und Pflanzen folgt. Und dies nach katastrophalem Start in die Saison, der schlaflose Nächte und Ängste vor ureigener Insolvenz bescherte. 

Was die Blumensträuße zum Muttertag nicht sagen konnten, das deutet manch faltige Stirn von Unternehmern der grünen Branche mehr als nur vorsichtig an: Corona hat im Grunde eine gesamte Saison vernichtet. Die Stiefmütterchen, die Ranunkeln und die Primeln leuchteten genau zu dem Zeitpunkt in Gewächshäusern und auf Feldern, als die Vertriebswege über Blumenläden und Gartencenter gesperrt wurden. 

Tausende, ja Hunderttausende von Frühjahrsblühern sind auf genau den Feldern gestorben, auf denen sie geboren wurden – umgepflügt dank Corona. Gleich mehrfach ist es vorgekommen, dass großflächige Handelsunternehmen ihre Aufträge stornierten, als man beim beladenen Sattelzug auf dem Hofgelände die letzten Haltegurte festzurrte. Läden zu, Ladung unbrauchbar. Gut 70.000 Euro kommen bei einem solchen Auftrag schon zusammen – 70.000 Euro, die man seinem Banker erst einmal erklären muss. Wer will da ernsthaft noch den Spruch vom blühenden Geschäft klopfen...

 

Ausgabe 18 / 06.05.2020

Mutmacher und Schulterklopfer gesucht 

 Es ist überhaupt keine Frage, dass es für Selbstständige zur Stunde eine harte Zeit ist. Noch vor zwei Jahren waren die Veranstaltungen der Kreis-Wirtschaftsförderung rund um das Thema „Gründerland Kreis Kleve“ Garanten für volle Tagungsräume. Das wäre heute, zu Corona-Zeiten, gänzlich anders. Blickte man unlängst noch zu den Chancen und einhergehenden Freiheiten beim Sprung in die Selbstständigkeit, so sind es heute die Risiken, die jedes Gespräch dominieren. Und das zurecht. 

Das allein darf uns allen schon Sorgen machen. Mindestens genauso problematisch ist die Tatsache, dass Firmenchefs – ob im Einzelhandel, als Dienstleister oder wo auch immer – sich selbst mit der Frage beschäftigen: „Macht es wirklich Sinn, dass ich mich nach Corona wieder mit voller Kraft ins Geschehen werfe?“ Insbesondere in Fällen, in denen handelnde Personen in mittlerer Ferne das ureigene Rentenalter vermuten, drängen sich Fragen dieser Art auf. 

Ungeachtet der Finanzspritzen von Kreis, Land und Bund ist der Druck auf Einzelne groß. Wer wiederholt – und dies kommt bei Wirtschaftsförderern durchaus vor – von weinenden Gesprächspartnern vom Verlust der eigenen Lebensversicherung hört, die zu Löhnen der Aushilfskräfte wurde und sich der Lebensabend damit völlig anders darstellt als einst gedacht, der muss auch für solche Gedanken Verständnis aufbringen. 

Was wir nun brauchen, nachdem wir alle wieder zum Friseur dürfen und sich die altgewohnten Freiheiten in unser aller Leben langsam zurückmelden, das sind Mutmacher. Bekannte, Freunde, Nachbarn, ehemalige Kunden und Stammkunden sind gefordert. Und viele Menschen, die Ähnliches werden wollen. Mutmacher und Schulterklopfer sind gesucht zu einer Zeit, zu der die Zweifler hinter den Theken und an den Schreibtischen sich mehren.

 

Ausgabe 17 / 29.04.2020

Der Glücksfall lockt mit Picknick-Korb

Die Aussage stammt ganz sicher aus einer Zeit, als noch niemand an Corona dachte: „Jeder kann unvermeidlich glücklich werden“, behauptet Dr. Manfred Lütz auf dem Cover seines Buches vergleichbaren Titels. Eine „Psychologie des Gelingens“ verspricht der studierte Mediziner, Theologe, Psychiater und Psychotherapeut, der neben seiner Chefarzt-Tätigkeit seit vielen Jahren auch als Kabarettist, Kolumnist, Autor und Vortragsredner unterwegs ist. 

Glücklich sein, das ist doch zu Corona-Zeiten eine unverzichtbare Perspektive, hat sich die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve gedacht – und den unterhaltsamen und überzeugenden Plauderer nun zum nächsten „Forum Kreis Kleve – Das Fachleute-Treffen für wirtschaftlich Interessierte“ eingeladen. Welch ein Glück – er hat spontan zugesagt.

Stets waren mehr als 300 Interessierte bei dieser größten Veranstaltung eines jeden Jahres dabei, zuletzt in Kalkar und in Issum. Für Manfred Lütz wird sich der Vorhang im Bürgerhaus Altes Kloster in Wachtendonk öffnen – und zwar am Abend des 18. November.

Wer auf keinen Fall so lange auf sein Glück warten möchte, der sei erinnert an jene, die alles Glück der Erden auf dem Rücken von Pferden finden. Und wer es denn eine Nummer bescheidener möchte, dem sei das ureigene Stahlross empfohlen.

Die Touristiker der Region empfinden es als absoluten Glücksfall, dass gerade in diesem Jahr, wo Corona uns alle für Wochen zu „Hausarrest“ verdonnerte, die Fahrrad-Region Kreis Kleve zum Radeln nach Zahlen einlädt. Fast eine halbe Million Euro hat sich der Kreis Kleve die Perfektionierung Hunderter von Streckenkilometern durch dieses Knotenpunktsystem kosten lassen. Gleich sechs herrliche Routen, locken nun in den Fahrradsattel. Gründe genug also, die neue Freiheit zwischen den 160 wegweisenden Ziffernfolgen irgendwo im Kreisgebiet zu suchen.

Es ist richtig, dass wir die malerischen Cafés am Wegesrand, die Gasthöfe, die Bauernhofcafés und vieles mehr noch entbehren müssen. Aber auch beim Picknick am Wegesrand sollen schon Glücksgefühle geboren sein. Versuchen Sie Ihr Glück...

 

Ausgabe 16 / 22.04.2020

Die Welt der Wirte wartet auf das „Welch ein Tag“

„Komm Welt lass dich umarmen, welch ein Tag.“ Anfang der 90er Jahre dürfte es gewesen sein, als die damalige Privatbrauerei Diebels dank eines überzeugenden Mario Jordan am Mikrophon diesen Ohrwurm von Issum aus in die Hitparaden katapultierte. Lange ist es her, seit unser aller Niederrhein-Brauerei – damals wohl von einem jährlichen Ausstoß von 1,7 Millionen Hektoliter Altbier gesegnet und für uns alle omnipräsent – an den Theken der Region den Ton angab. 

Zur Stunde drückt Corona die Stimmung, und die Barhocker zwischen Kranenburg und Hochelten, zwischen Wachtendonk und Issum sind nach wie vor „Sperrgebiet“. „Welch ein Tag“ werden die Wirte der Region erst dann wieder vorsichtig summen, wenn sie die massiven Türen unter ihren traditionsreichen Brauereischildern wieder öffnen dürfen. Es wird Zeit. 

Die Ostertage, das Pfingstfest, Anlässe wie die Erste Heilige Kommunion, die Hochzeiten im Mai und und und... sie alle fallen als Umsätze vielleicht für immer aus, während die Kosten für die Pacht, die Zins- und Tilgungsdienste, die Personalkosten weiter laufen. Eine riesige Hilfe waren hier die öffentlichen, auch vom Kreis Kleve gebotenen Förderpakete, die sogar die kleinsten Anbieter über die erste Lohn-Hürde gebracht haben. 

Ungeachtet dessen erfüllt einen Wirtschaftsförderer der Blick auf die gut 3.000 Beschäftigten im Kreisgebiet in diesem Segment mit Sorge. 4.400 Junge und jung Gebliebene warten als kommunikationsfreudige 450 Euro-Kräfte auf ihren Einsatz. Deutlich mehr als 5.000 Gästebetten – dabei sind nicht einmal die über 400 Ferienwohnungen berücksichtigt – warten auf die allerwertesten Umsatzträger. Und der Spargel als Lockruf an die Leckerschmecker findet tagesaktuell noch nicht das besondere Erlebnis-Umfeld, das die Reise in die Radfahrer-Region lohnenswert erscheinen lässt. 

Längst haben sich die zahlengläubigen Statistiker von der Erwartung verabschiedet, in diesem Corona-Jahr die Eine-Million-Übernachtungen-Hürde im Kreis Kleve zu nehmen. Das Wunderland geschlossen, das Courage-Festival, das Haldern-Pop und das Parookaville sind vertagt. Der Niederrheinische Radwandertag ist abgeblasen und auch die Sonnenklar-Macher mit ihrem Mega-Event im Wunderland gingen vor Corona in die Knie. Selbstverständlich sollte man an dieser Stelle den Airport Weeze erwähnen, der in den letzten Jahren zweifelsfrei seinen Beitrag zum Höhenflug bei den kreisweiten Übernachtungen geleistet hat. 

Vor allen diesen Hintergründen muss man den Hotel- und Gaststättenverband verstehen, der in diesen Zeiten seine Hilferufe formuliert. Erst wenn die Krise überstanden ist, wenn viele lebensbejahende, wertvolle Adressen durch rettende Finanzhilfen aus öffentlicher Hand gesichert sind und die Mehrwertsteuer-Senkung auf sieben Prozent umgesetzt wurden, erst dann wird man hier mit Mario Jordan übereinstimmen: „Komm Welt lass dich umarmen, welch ein Tag.“

 

Ausgabe 15 / 15.04.2020

Corona bringt unsere Magneten in Gefahr

Zugegeben, seit Jahrzehnten, nein von Kindesbeinen an bin ich ein totaler Freund des Einzelhandels vor Ort. Als Kind sparte man jeden Groschen, um ihn letztlich zu „Möppes“ am Markt gegen ein kleines Wiking-Auto zu tauschen. Als Schüler konnte man seine nächste Tank-Quittung zahlen, weil man zuvor bis spät am Abend im örtlichen Supermarkt Regale mit frischer Ware bestückt hatte. Und als Student belieferte man stolz wie Oskar am Lenker eines Klein-Lkw von JOMO-Großhandel die vielen überschaubaren, zumeist inhabergeführten A&O-Läden mit Lebensmitteln. Somit hat das Augenmerk den Fokus auf den örtlichen Handel – von welcher Seite auch immer betrachtet – nie verlassen. 

Nein, die kleinen Spielwaren-Angebote mit diesen überzeugenden Fachleuten hinter der Theke, die mit präzisem Griff meinem Wunsch nach dem maßstabgerechten  Mercedes 220 SE Coupé gerecht wurden, die gibt es nicht mehr. Aus dem Supermarkt wurden vergleichsweise riesige Vollversorger, die A&O-Läden machten Platz für Anderes. Dies alles, so denke ich, hätte Veränderung genug sein können. 

Dann fiel das Internet vom Himmel, ein Kürzel wie 24/7 signalisierte den jungen und jung gebliebenen Konsumenten das globale „Völlig Losgelöst“ von jeder Art von Geschäftszeiten-Regulierung. Während sich unsere Werberinge als Selbsthilfe-Einrichtungen der Händlerschaft mit juristischem Beistand um nur wenige Wochenend-Stunden Ladenöffnung zur Terminierung eines Verkaufsoffenen Sonntags streiten müssen, wirbt der niederländische Nachbar für ein weiteres Factory-Outlet in Grenznähe – nur der Erste Weihnachtstag wird Ruhetag. 

Und wäre dies alles nicht schon genug: Jetzt beherrscht Corona das Alltagsgeschäft. Und der örtliche Handel steht einmal mehr in bewundernswerter Weise hinter alledem, was seine ureigenen Grundlagen verändert. 

Wer seine Rettung nicht schon zuvor im Netz gesucht hatte, der findet sie derzeit. Und wer nie zuvor die Ware direkt ins Haus lieferte, der tut es seit jüngstem. Dienstleistung durch und durch. Erfinderreichtum allerorten. 

Helfen wir doch denen, die vor Ort ihre Lieferdienste ungewohnt und in alter Pizzabäckerei-Manier in den Medien anbieten. „Liken“ wir die kleinen Modenschauen, die unsere Boutiquen und Schuh-Fachgeschäfte derzeit für uns alle elektronisch in Szene setzen. Und vergessen wir dies alles bitte nicht, wenn Corona hinter uns liegt. Bleiben wir der Region gewogen, deren Einzelhändler mit jedem noch so kleinen Ladenlokal zur Anziehungskraft unserer Städte beitragen.

 

Ausgabe 14 / 08.04.2020

Die Region prägend und „systemrelevant“

Eigentlich gehören sie doch zu unser aller Erinnerung – die kleinen Lädchen – keine 100 Quadratmeter groß, in denen sich hinter der überschaubaren Theke das gewohnt freundliche Lachen breit machte und zum Ausdruck brachte: Ja, dieses Geschäft hat auch Seele. 

Ob es einstmals der kleine Obst- und Gemüseladen in der Nachbarschaft war, der kurz vor Ostern stets die ersten Balkonpflanzen vor der Ladentür zeigte, ob es der rührige Metzger war, der sich unlängst mit seinem „Ich habe fertig“ in Trappatoni-Manier für immer in den Ruhestand verabschiedete und dessen Schinkenwurst einem noch heute fehlt oder ob es der Schnellimbiss im Herzen der Stadt war, dessen Frikadellen bis dato unerreicht geblieben sind – jede Stadt und Gemeinde hat diese zwei oder drei Adressen, die sich in Leib und Seele verewigen.  

Noch immer – dem Inhaber sei Dank – gibt es den herrlichen Buchladen unweit des Marktplatzes, der an allen Paketdiensten vorbei auch das jüngste Nischenangebot im Regal pflegt. Und viele Familien danken es über Generationen der engagierten Caféhaus-Betreiberin, die ihr sonntägliches Gebäck- und Kuchenangebot mit der Tatkraft der Töchter unweit des Bahnhofs über die Theke reicht. Sie alle machen genau den Niederrhein aus, der lebenswert ist. 

Wohl auch deshalb hat der Kreis Kleve Corona bedingt und aus eigenen Mitteln zwei Millionen Euro auf den Weg gebracht, damit die Angebote unserer inhabergeführten Adressen die Region weiterhin prägen. 3.000 Euro gibt es aus der Kreiskasse – überdies jeweils weitere 500 Euro für jeden der bis zu neun Angestellten. Friseure, Reisebüros, Gastronomen haben sich angesprochen gefühlt.   

470 Anträge haben binnen kürzester Frist das Kreishaus erreicht. Aus allen Städten und Gemeinden stammen die Absender. Und viele hätten nie gedacht, dass sie früher Geld sehen als die Lufthansa, die Autobauer und andere. Schön, dass sie für uns „systemrelevant“ sind.  

 

Ausgabe 13 / 01.04.2020

Mit dem 24/7 ins Buch der Rekorde

 Am Zahltag des Monats führen viele Firmenchefs ein „Leben am Limit“

Es gibt keinen Zweifel daran: Der heutige Tag ist für viele unternehmerisch Tätigen ein bitterer. Der Erste eines Monats ist immer noch „der“ Zahltag für Löhne und Gehälter. Das ist auch in Zeiten, in denen Corona das Leben bestimmt, nicht anders. Und dies, obschon Ladenlokale komplett geschlossen sind, Hotels und Gaststätten ihre Gastlichkeit zurückgefahren haben und das öffentliche Leben auf das eben Lebensnotwendige zurückgeschraubt wurde. Eines darf man sagen: 

Vor Ort leben viele schlichtweg – ob mit oder ohne Kurzarbeit – von der Substanz. Oder anders ausgedrückt, sie leben am Limit, das am Zahltag häufig genug von der Hausbank bestimmt ist.  

Da ist es doch ungeachtet aller Herausforderungen, Risiken, Probleme und Bedrohungen erfreulich zu wissen, dass die Akteure um Bund, Land, Kreis und Kommunen alles Menschenmögliche unternehmen, um die finanziellen Schwierigkeiten dieser gesundheitlichen Bedrohung mit Milliarden aus öffentlicher Hand irgendwie abzufedern. 

Hätten wir uns alle überhaupt vorstellen können, dass die bedrohliche Not vor Ort bei Kleinunternehmern, Freiberuflern und Solo-Selbstständigen binnen 44 Wochenend-Stunden zu 150.000 Anträgen auf das NRW-Soforthilfe-Programm führt? Das allein fordert Schulterklopfen bei allen IT-Spezialisten dafür, dass die Leitungen gehalten haben. Und hätten wir jemals gedacht, dass beachtliche 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch am selben Wochenende 100.000 (!!!) dieser Anträge mit dem Stempel „Bewilligt“ weiterreichen konnten? Das sind annähernd 150 für jeden Wochenend-Dienstler... Eigentlich, so denke ich, gehört so etwas ins Buch der Rekorde wie so vieles, das derzeit hinter der Angst vor Corona kaum bemerkt passiert. 

Stand vor Monaten das 24/7 noch für jene, die ihre Umsätze im Internet machen, so steht es heute auch für mancheinen, der derzeit das Schlimmste zu verhindern versucht – in der Gesundheitswirtschaft, in Politik und Verwaltung. 

Noch am vergangenen Freitag hörte man – auch von der Kreis-Wirtschaftsförderung – kritische Stimmen dazu, dass die Förderkulisse die für unsere Region so wichtigen Bereiche wie Gartenbau und Landwirtschaft vernachlässigte. Der Ministerentscheid wurde am Wochenende nachgeholt, die ersten Anträge noch am Samstagvormittag gestellt und – man lese und staune – am Samstagabend bewilligt. 

 

Ausgabe 12 / 25.03.2020

Das „Wir“ bestimmt den Kurs

Es gibt Berufe, bei denen gehört ein ebenso ausgeprägtes wie verlässliches Bauchgefühl zu den ganz wichtigen Eigenschaften. Der des Wirtschaftsförderers gehört zweifelsfrei dazu. Horcht man gegenwärtig in sich hinein, dann wird man den Eindruck nicht los, dass Corona in nur wenigen Wochen unendlich viel verändert hat. 

Nein, es geht bei dieser Aussage nicht um die Angst vor den Folgen der Krankheit. Es geht weder um die schrecklichen Bilder aus dem nachbarlichen Italien noch um die Auswirkungen auf Jung und Alt in unserem Land. Dies alles ist schlimm genug. Und auch die wirtschaftlichen Rückschritte, die sich vom Solo-Unternehmer angefangen bis zum gestandenen Hoteldirektor durch alle Bereiche unseres ökonomischen Handels fressen dürften, sind nicht gemeint. Ja, Corona wird auch unseren Arbeitsmarkt beschädigen und die nie dagewesene Zahl von über 100.000 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreisgebiet schrumpfen lassen. Eines aber – und das lässt einen Funken Zuversicht in diesen Zeiten – scheint das Bauchgefühl zu zeigen: Das „Wir“ gewinnt an Bedeutung. 

Wer auch immer in den letzten Tagen die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve kontaktierte, der hatte auch für seine Berufskollegen ein offenes Ohr. Bäcker und Konditoren suchen wie andere Lebensmittel-Handwerker nach abgestimmten Lösungen, die beratenden Berufe bieten wichtige Hinweise breit gestreut und ansatzweise kostenfrei an, die Werbewirtschaft hört auf den Hilferuf im Wettbewerb und auch in der Kreditwirtschaft suchen die Vorgehensweisen nach Gemeinsamkeit. Die Hilfsbereitschaft bündelt in schwierigen Zeiten ihre Kräfte und das „Wir“ bestimmt den Kurs. 

Auch wenn die frischen, dringend benötigten Gelder noch auf sich warten lassen, so lässt dies zumindest hoffen. 

 

Ausgabe 11 / 18.03.2020

Der Schritt des Existenzgründers geht Richtung kaltes Wasser

Bereits die Wortwahl deutet einen gewissen Grad von Selbstüberwindung an: „Wagen Sie Ihren Sprung in die Selbstständigkeit!“ Man erinnert sich an die ewig langen Sekunden, die man hochoben auf dem Zehn-Meter-Turm gestanden hat. Es kommt der Gedanke, warum man sich genau dies antun will, wo doch auch ohne alledem die Welt völlig in Ordnung ist? Und hat man den Absprung geschafft – verfolgt von den Blicken der Freunde und Förderer am Beckenrand – wie wird die Landung sein? Ja, der Schritt des Existenzgründers geht Richtung kaltes Wasser. 

Wohl auch deshalb zeigen sie manches Mal unübersehbar Nerven. Sie haben kalte oder schweißnasse Hände, suchen nach Wegen zu ureigener Überzeugung, freuen sich über jeden hauchdünnen Schub von Optimismus, der sie an den selbst gefertigten Businessplan glauben lässt. Keine Frage: Jede Form von Existenzgründung erfordert neben allen finanziellen Grundlagen ein gerüttelt Maß an Mut, an Selbstbewusstsein, an Weitsicht und Rückendeckung. Wohl auch deshalb ist es manches Mal so wichtig, in direkter Nachbarschaft von Gleichgesinnten ureigene Ideen zur Verwirklichung treiben zu können. 

Also gäbe es sie nicht schon seit Jahren – man müsste die Technologie-, Gewerbe- und Gründerzentren der Region erfinden. Man müsste den Klevern näher bringen, das Technologiezentrum an der Boschstraße in die Tat umzusetzen. Man müsste den Ratsvertretern in Kalkar nachweisen, dass ein Gewerbe- und Gründerzentrum dem Standort Image-Vorteile beschert und den Menschen in der Herzogstadt Geldern deutlich machen, dass es den Unternehmerpreis „De Geldersche Wend“ für IST Haafner im letzten Jahr wohl ohne diese vorhandene Infrastruktur nicht gegeben hätte. 

Der Automatisierungs- und Steuerungstechniker war Am Pannofen einst Mieter im Gründerzentrum – heute hat er etwa 20 Mitarbeiter und nennt den Respekt der Branche sein eigen. Wie Architekt Philipp von der Linde – einst im Ein-Mann-Büro des Gründerzentrums in der Innenstadt – heute im schmucken Domizil Am Nierspark in Geldern aktiv. 

Seit seiner Neuausrichtung durch Wirtschaftsförderer Dr. Bruno Ketteler ist das Gewerbe- und Gründerzentrum in Kalkar-Kehrum vollends ausgelastet – liefert seinen Mieterinnen und Mietern genau das Wir-Gefühl, das in schwierigen Gründerzeiten manchmal notwendig scheint. 

Die Gemeinde Kranenburg freut sich Jahr um Jahr über die project Automation & Engineering GmbH. Gut 100 Mitarbeiter stark ist das Team von Johannes Jansen und Stefan Opgenorth im Hammereisen 42. Zwischen 1995 und 1998, also vor mehr als 25 Jahren, erlebten die erfolgreichen Firmenchefs ihren „Sprung in die Selbstständigkeit“ im Technologie-Zentrum Kleve.  

Dutzende sind es, die hier ihren Traum von ureigener Selbstständigkeit in die Tat umsetzten. Nun wurde es bei stetig hoher Auslastung von den Geschäftsführern Dr. Joachim Rasch und Dr. Andreas Henseler mit „kleinem Geld frisch gemacht“ – für den Schritt des Existenzgründers Richtung kaltes Wasser.  

 

Ausgabe 10 / 11.03.2020

Landkarten sind Hoffnungsträger

Standortqualitäten, ob regional oder lokal, bieten vor allem einen Vorteil: Sie sind Nachweis für einen besonderen Bedeutungsüberhang und qualifizieren und positionieren für eine neue Art von Landkarte. So schaffte es das Museum Schloss Moyland vor Jahrzehnten ins Blickfeld der Kunst- und Kulturfreunde – Joseph Beuys und seinen Anhängern sei Dank. Das Jugendfestival Courage, das Haldern-Pop oder das Parookaville – sie suchten Profilierung in bis dahin nicht da gewesenen Segmenten und schafften es in die Terminkalender der Jungen und jung Gebliebenen. 

Der Blick nach Weeze macht besonders überzeugend deutlich, wie schnell – und dies im wahrsten Sinne des Wortes – ein Airport eine überschaubare Gemeinde auf die Landkarte der ganz Großen katapultiert. Weeze / Agadir, Weeze / Málaga, Weeze / Valencia, Weeze / Edinburgh oder Weeze / Rom. Schnell, vielleicht zu schnell für uns Niederrheiner, gewöhnen wir uns an qualifizierende Merkmale dieser besonderen Qualität und Güte. 

Auch der Hafen in Emmerich am Rhein unterstreicht bis heute, dass die vielzitierte Tri-Modalität bei Vorhandensein von Flächen fast unweigerlich zum Image eines erfolgreichen Logistik-Standortes führt. Auch hier in der Rheinstadt wurde alles getan, um die unbeschreibliche Entwicklung des Kreisgebietes von knapp 80.000 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten vor gut einem Jahrzehnt auf heute 103.000 bei zeitgleicher Rückführung von Arbeitslosigkeit und Hartz IV-Empfängern zu stärken. Dies alles gab der Region Kraft und Rückgrat. Und es formte das Selbstbewusstsein, sich unter die Großen einer Expo Real in München zu mischen, schlichtweg Jahr um Jahr auf „die“ Messe für Immobilien und Investitionen in Deutschland zu gehen. 

Zur Stunde freut sich die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve über eine wohl nie dagewesene Nachfrage nach Gewerbe- und Industrieflächen aus dem In- und Ausland. Gut 40 Hektar sind es in Summe – für Verwaltung, klassische Lagerung, Logistik und Produktion. Längst nicht alle würden qualifizierte Arbeitsplätze und gute Einkommen bescheren. Eines allerdings bescheren sie zu unserer Freude alle: den Nachweis, dass der Kreis Kleve auch auf der Landkarte der Investoren angekommen ist, denn Landkarten sind Hoffnungsträger.

 

Ausgabe 9 / 04.03.2020

In spürbarer Nähe zur „Dimension Weltraum“

Auch wenn das alltägliche Twittern der Großen dieser Welt keineswegs spurlos an den Nerven der Menschen vorübergeht, so bleibt doch festzuhalten: Gegenwärtig darf sich eine ganze Generation mit jedem neuen Tag darüber freuen, dass sie bis dato in Frieden und ohne jede Spur von Kriegswirren hat leben dürfen. Eine Erfahrung, die wohl nicht hoch genug eingeschätzt werden kann und die mitnichten das persönliche Verdienst des Einzelnen ist.

Es kümmern sich andere, und je besser sie es tun, je weniger bemerken wir es. Wohl auch deshalb ist es immer wieder wichtig, dass sich unsere Bundeswehr- und Nato-Standorte ab und an einen Spaltbreit der Öffentlichkeit zeigen und uns alle daran erinnern, Gewohntes wie friedfertiges Miteinander Wert zu schätzen. 

So war vor wenigen Monaten die Gruppe der Wirtschaftsförderer der Städte und Gemeinden auf Anregung der Kreis-WfG in Uedem zu Gast. Das Ziel:  Kennenlernen des „Zentrum Luftoperationen als höhere Kommandobehörde der Luftwaffe und der Kompetenzträger der Luftwaffe für die Planung und Führung von Luftoperationen“, hieß es in der Tagesordnung.

Mehr als 1.500 Personen sind in Kalkar und Uedem tätig, so war zu erfahren. Sie alle wohnen und arbeiten in der Region, haben ihre Familien hier, sorgen für Kaufkraft und lokale Umsätze. Ein Wirtschaftsfaktor also, der neben allen hochbedeutsamen übergeordneten Zielen auch nicht unterschätzt werden darf. 170 Millionen Euro werden hier vor unserer Haustür gerade in die Infrastruktur investiert – in die Digitalisierung des Standortes, in ein neues Ausbildungszentrum, eine Sporthalle, in Wirtschaftsgebäude. Und unsere heimischen Firmen steuern die Baukräne, setzen das Mauerwerk, leisten den Innenausbau. Und, was auch den Wirtschaftsförderern wichtig war, sie lassen hier vor Ort ihre Gewerbesteuer.   

Auch in diesen Tagen war es wieder einmal soweit. Der Kommandeur Zentrum Luftoperationen Generalleutnant Klaus Habersetzer und der Standortälteste Kalkar/Uedem, Generalmajor Walter Huhn, hatten in die von-Seydlitz-Kaserne in Kalkar geladen – zum traditionellen Fischessen. Viele Repräsentanten aus der Region ließen es sich nicht nehmen, ihre Wertschätzung und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Allen voran waren es Bundes- und Landtagsabgeordnete, Bürgermeister, der ehemalige wie aktuelle Honorarkonsul der Niederlande und viele andere, die an die Kalkarer Römerstraße angereist waren. Sie lieferten ihre Zeichen der Wertschätzung für die gesamte Region. Und dankten damit für die Sicherheit im Luftraum, der man sich hier in Kalkar und Uedem verschrieben hat. „Die Weltraum-Operation ist „das“ Feld der Luftwaffe“, hatte der Generalleutnant beim Grußwort an seine teils erstaunten Gäste betont. Man werde von hier aus „die Arbeit an der Dimension Weltraum weiterführen“, versprach Habersetzer. Und der Niederrheiner staunt.  

 

Ausgabe 8 / 26.02.2020

„Win-Win-Situationen“ bei zielführender Zusammenarbeit

Man mag es ja noch so bedauern, die Anglizismen, also die aus dem Englischen stammenden und sich in unserer deutschen Sprache festgesetzten Ausdrücke nehmen langsam aber stetig mehr und mehr zu. Wir joggen, wir walken, trinken unseren Kaffee „to go“. Und ganz nebenbei suchen wir insgeheim nach sogenannten „Win-Win-Situationen“.

Eine solche bietet unseren Unternehmern seit nunmehr gut zehn Jahren unsere Hochschule Rhein-Waal. „Haben Sie ein Problem, von dem Sie nur ansatzweise vermuten, unsere Hochschule und ihre Studierenden könnten den Lösungsansatz bieten – sprechen Sie uns an“, hat Hochschul-Präsident Dr. Oliver Locker-Grütjen im letzten Jahr kreisweit im Rahmen der Unternehmerfrühstücke zum Ausdruck gebracht.

„Schwellenangst abbauen“ lautete seine Devise – und manch ein Teilnehmer wird diese entgegenkommende Offerte mit Wohlwollen gehört haben, nach der letzten Entschlusskraft allerdings noch suchen.

Gerade diesen sei gesagt, dass sich aus einem engen Miteinander zwischen Unternehmen und Hochschule keineswegs nur einseitige Vorteile verbuchen lassen. Im Gegenteil: Es dürfte und wird sich in vielen Fällen zu einer bereits zitierten „Win-Win-Situation“ entwickeln, bei der sich für die Hochschule auch finanzielle Freiräume durch Generierung sogenannter Drittmittel ergeben.

In Nordrhein-Westfalen wächst die Summe dieser Drittmittel in den letzten Jahren deutlich, nach Einschätzung des Statistischen Landesamtes um nahezu acht Prozent. Will meinen: Die etwa drei Millionen Euro, die an der Hochschule Rhein-Waal als Drittmittel zu erwarten sein dürften, spiegeln auch wachsende Zuneigung und Freude über zielführende Zusammenarbeit. Denken wir doch alle einmal darüber nach – beim Joggen, beim Walken oder beim Kaffee „to go“.  

    

Ausgabe 7 / 19.02.2020

Fachleute mit unseren Standortqualitäten locken

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Interviewrunden mit lokalen Firmenchefs bei den Unternehmerfrühstücken und -abenden mit der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve kreisweit allseits als Bereicherung empfunden werden. Mögen die Beiträge der Hauptreferenten noch so überzeugend sein – es ist einfach zufriedenstellend, auch die gewinnenden Argumente des Unternehmer-Kollegen vor Ort im O-Ton geboten zu bekommen. Und wen wundert es – immer wieder geht es dabei auch um das Thema Fachkräftemangel und die Rekrutierung von Netzwerkadministratoren, von Fachinformatikern, IT-System-Kaufleuten, Software-Entwicklern und Web-Designern. Kurzum: Die IT-Berufe sind für viele Firmenchefs ein echter Engpassfaktor.

Nicht nur deshalb wächst derzeit im regionalen Umfeld der Kreisstadt eine Gruppe von IT-Spezialisten zusammen, die firmenübergreifend mit dem Arbeitstitel „Niederrhein-Valley“ nach Motiven und Wegen sucht, Fachkollegen den alltäglichen Weg in die Ballungsräume zu ersparen und vor Ort angemessene Jobs zu etablieren. 

Schon vor Monaten hat eben diese Gruppe von Akteuren dem Berufskolleg Kleve deutlich „unter die Arme gegriffen“, als man hier zur Schaffung einer ureigenen und stetigen Berufsschulklasse zum „Fachinformatiker“ die Rückendeckung ausbildungswilliger und -bereiter Unternehmer brauchte. Die Unterstützung folgte auf dem Fuß – zur Begeisterung aller eingebundenen Funktionsträger. Das Ziel wurde erreicht. 

Als es unlängst im Rahmen eines Unternehmerfrühstücks mit der Kreis-Wirtschaftsförderung ein Interview mit einem Firmenchef gab, der seit langem schon selbst ausbildet, der nahezu 100 IT-Fachleute beschäftigt und die Frage nach dem „Wie machen die das“ anstand, da war die Antwort durchaus überraschend: „Ja, junge IT-Fachleute suchen gerne den Weg zu uns. Zu unseren vielfach gewinnenden Vorstellungsgesprächen mit engagierten jungen Bewerberinnen und Bewerbern zählt stets auch eine meist überzeugende Rechenaufgabe: „Haben Sie eingepreist, wieviel Ihres höheren Gehaltes in der Landeshauptstadt für die allmorgendliche Tortur auf der Autobahn verloren geht? Was müssen Sie mehr verdienen, wenn Sie die Zweitwohnung angemessen honoriert bekommen wollen? Stellten Sie bei der Überlegung eines Wohnsitzwechsels bereits die Vorteile dagegen, die Sie durch preiswerteres Wohnen oder gar das kostengünstigere Bauen auf günstigem Grundstück bei Beibehaltung des Arbeitsplatzes vor Ort erleben?“

Es gab viel zustimmendes Kopfnicken und Respekt, es gab lauten Applaus und erkennbare spätere Ansprachen für den Wortbeitrag. Und es machte sich der Eindruck breit, dass vorhandene Standortqualitäten zwischen Schwanenburg und Geldertor künftig deutlicher zur Sprache kommen. 

 

Ausgabe 6 / 12.02.2020

„Prexit“ ist noch nicht in Sicht

Es ist schon Jahre her, seit uns weitsichtige Menschen das papierlose Büro versprachen. Und mindestens genauso lange arbeiten wir an dieser Herausforderung – einerseits der Umwelt zuliebe und andererseits wohl auch, um den allerorten steigenden Kosten Einhalt zu gebieten. So richtig papierlos jedoch geht es nach wie vor fast nirgendwo zu.

Seit langem schon gehen wir alle davon aus, dass man in Zeiten absolut brillanter Bildqualitäten von IPhones, Tablets, Laptops und Co. und einem permanent verfügbaren und jederzeit optimierbaren Internet-Auftritt irgendwann den Abgesang für alles hinnehmen muss, was einstmals aus der Druckerpresse kam und heute die teils riesigen Druckstraßen verlässt. Oder anders formuliert: Es ist zu erwarten, dass nach dem Grexit und dem Brexit irgendwann der Prexit folgt – die Abkehr vom Print-Produkt.

Sieht man sich allerdings im Alltag um, so gehört das gedruckte Wort nach wie vor zu unserem Frühstückstisch. Die Zahl der Fachmagazine und der Special-Interests scheint sich stetig zu vermehren und die Freude über Bebildertes in vier Farben gehört wie immer auch zu denen, die Urlaubsfreuden oder Städtetrips entgegensehen.

Wie könnte es sonst sein, dass den Besuchern der jüngsten Touristikmesse Niederrhein die Freude darüber an den Augen abzulesen war, dass man an den einladenden Ständen von Kreis, Stadt und Gemeinde erstmals die quadratische, 24seitige Broschüre zur „Fahrrad-Region Kreis Kleve in Knotenpunkten“ kostenfrei ausgehändigt bekam – ausgestattet mit gleich sechs Fahrradrouten durchs Kreisgebiet.

„Alles eine Frage der Zielgruppe“, wird der eine oder andere da behaupten. „Selbstverständlich“, kann man da entgegnen. Aber die Zielgruppe, die sich heute auf den Tourismus-Messen landauf landab bewegt, ist nach wie vor zu den „Best Agern“ zählend und dürfte nach unserem Augenschein noch viele Jahre kommen. Gut so. Der Niederrhein dankt und freut sich.      

  

Ausgabe 5 / 05.02.2020

Der „Tag der Ausbildung“ schlägt jedes Sabbatjahr

Nein, ich erwarte überhaupt nicht, dass jeder Mensch alle meine Ansichten teilt. Und spätestens dann, wenn sich erste Jahresringe auf der eigenen Stirn bemerkbar machen, dann hält man sich sowieso bei ausgesprochen jungen Themen gerne zurück. Eines allerdings, das ruft bei mir Reaktionen zwischen Nachdenklichkeit, Kopfschütteln und Unverständnis hervor: Das Sabbatjahr nach Erreichen der Hochschulreife. Es dient vielfach – so wird kolportiert – der inneren Einkehr und der Überlegung zur beruflichen Orientierung.

Es ist unübersehbar, dass sich wohl alle tragenden Teile unserer Gesellschaft anstrengen, jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben – ob mit oder ohne Studium – so leicht wie möglich zu machen. Nie zuvor waren die denkbaren Karrierewege den jungen Leuten so nahe und stecken meistens – dem Handy sei Dank – hinten rechts in der Jeans.

Da gibt es Einladungen zu Praktika, zu Tagen der offenen Tür und Werbefilme wie in den Kinos. Ob in Emmerich am Rhein oder Rees, ob in Kleve, Kalkar oder Wallfahrtsstadt Kevelaer, in Straelen oder nun in Geldern: Das Informieren und das Werben war auf Ausbildungs- und Job-Messen selten so ausgeprägt wie zur Stunde. 130 Anbieter buhlten beim „Tag der Ausbildung“ in der alten Herzogstadt um die Entscheidung junger Kandidaten. Auch Hochschulen waren an Bord, um Einstiege als Dualer Student oder Vollzeit-Studiosus schmackhaft zu machen. Und wer denn als einer der 3.000 Suchenden bei alledem seine Übersicht in Gefahr sah, für den gab es unterstützende Hilfen von den Berufskollegs, der Agentur für Arbeit, den Kammern, den Wirtschaftsförderern, von ausgewählten Firmenchefs als Seminarleiter und vielen mehr.

Es sei also die Ansicht erlaubt: Für die bereits zitierte berufliche Orientierung wird richtig viel bewegt, und zwar aus allen nur denkbaren Bereichen mit stets dem einen Ziel: Der Jugend hier vor Ort Chance, Perspektive und Zukunft zu bieten.

Bleibt also wohl die innere Einkehr als Argument fürs Sabbatical. Verstanden, das zählt nach schweren Wochen vorm Abitur. Aber gleich ein ganzes Jahr, wo doch alle beruflichen Weichenstellungen erkennbar sind und das richtige Leben mit allen spannenden Herausforderungen wartet? Es stehen mindestens zwei Semester oder ein ganzes Ausbildungsjahr auf dem Spiel. Es lohnt, kurz darüber nachzudenken.

 

Ausgabe 4 / 29.01.2020

Nicht nur für Romantiker

Eine derart spontane und abgrundtief ehrliche Antwort kommt nicht alle Tage vor: „Ich habe als Praktikant bei einem Großevent-Veranstalter schon früh erleben müssen, dass in der Hotellerie und Gastronomie immer dann gearbeitet wird, wenn ich gerne mitfeiern würde“, sagte der junge Mann vor kleiner Journalisten-Runde. Deshalb habe er seinen Traum aufgegeben und eine andere Perspektive gesucht.

Heute ist er Auszubildender im zweiten Lehrjahr bei einem namhaften Arbeitgeber der Ernährungsindustrie. Und als solcher war er nicht dabei, als einige hundert fleißige Dienstleister in diesen Tagen im Wunderland Kalkar gemeinsam mit Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft das Glas auf's neue Jahrzehnt erhoben. „Neujahrsempfang des DEHOGA NORDRHEIN“ war die Veranstaltung überschrieben. Und wohl alle – ob in feinsten Roben oder in einfachen Jeans und T-Shirts, ob mit frechem Dirndl oder mit breitem Schnauzbart – sie hatten eines gemeinsam: Die Freude, an diesem Abend einmal auch sich selbst feiern zu dürfen.

Ob Köche oder Hotelfachleute, Hotelkaufleute oder Fachleute für Systemgastronomie, Restaurantfachleute oder Gastgewerbe-Fachkräfte – sie alle stießen gemeinsam mit den Sponsoren der Brauwirtschaft und Getränkeindustrie an. Und Han Groot Obbink als regionaler DEHOGA-Chef war einmal mehr der überzeugende Motivator.    

Bleibt die Frage, ob wir uns ab und an und immer wieder der Tatsache bewusst sind, wie wertvoll für uns alle diese jungen und jung gebliebenen Menschen sind. Ob zu Ostern oder Pfingsten, ob in der Weihnachtszeit oder zum Silvesterfeuerwerk – sie sind für uns da. Und tun es allen jenen gleich, die in Pflegeeinrichtungen tätig sind oder an Krankenbetten stehen – und häufig genug zum Mindestlohn unterwegs sind.

Es gibt eher keine zwei Meinungen darüber, wie wichtig der richtige Wirt für einen intakten Stadtteil, wie bedeutsam das strahlungskräftige Speiselokal für einen Standort sein kann. Ob er nun Kalli oder Benni heißt, ob es der Willi ist oder der André. Für echte Romantiker hat der Gassenhauer über „Die kleine Kneipe“ nach wie vor Gehaltvolles.   

 

Ausgabe 3 / 22.01.2020

Die Leute hier, die haben den Schlaf aus ...

Manchmal ist es durchaus erfreulich, wenn einflussreiche Zeitgenossen am richtigen Ort im geeigneten Moment deutliche Worte finden. Wenn die Wortwahl dann auch noch dazu geeignet ist, Formuliertes für einen Platz in den Schlagzeilen der mehr oder weniger bunten Blätter zu qualifizieren, dann ist es umso besser. Es dürfte etwa drei Jahrzehnte her sein, als ein Regierungspräsident aus Düsseldorf, dem man nachsagte, sehr gerne seinen Ausgleich beim Radfahren unweit von Vater Rhein zu suchen, über die Anziehungskraft der Region nachdachte. Und mehr oder weniger laut sprach er aus, was so deutlich noch kaum einer vor ihm hatte sagen wollen: „Der Tourismus am Niederrhein ist ein schlafender Riese.“ 

Wumm. Das war angekommen. Das Kreisgebiet dürfte damals gute 300.000 Übernachtungen in die Jahrbücher des damaligen Statistischen Landesamtes geschrieben haben. Seither ist viel passiert. Die öffentliche Hand hat sich mächtig bewegt, die Privaten haben Morgenluft geschnuppert und an die Chancen wachsender Gästezahlen geglaubt und die Tagestouristen, Kurzurlauber und Fahrrad-Enthusiasten haben ihre Wertschätzung gegenüber Land und Leuten zu buchbaren Umsätzen gewandelt. Heute, da die Tourismusförderer aus Städten und Gemeinden wieder ausschwärmen zu den kleinen und großen Touristik-Fachmessen eines jeden Frühjahres, da träumt man im Kreisgebiet zurecht vom Erreichen der Million Übernachtungen. 

Die Hotel-Szene ist sowohl qualitativ wie quantitativ gewachsen. Burgen und Schlösser haben sich rausgeputzt. Bauernhof-Cafés und Mühlenvereine beweisen Gastlichkeit. Die Zahl der Reisemobil-Stellplätze in jeder Stadt und Gemeinde macht selbst Fachleute zufrieden. Und immer öfter suchen Private ihr persönliches Hobby im Betreiben ihrer ureigenen Ferienwohnung, von denen es über 400 gibt. Kurzum: Das Angebot stimmt und würde heute jeden Regierungspräsidenten Lügen strafen, wiederholte er die damalige Aussage. 

Das Wunderland Kalkar schreibt sechsstellige Übernachtungszahlen. Die Veranstaltungslandschaft um Courage & Co. blüht. Der Airport Weeze lockt mit Flugbewegungen und Riesen-Events. Die Freizeit-Erlebnisoase Irrland begrüßt siebenstellige Gästezahlen und im Kreisgebiet zeigt man nach 450.000 Euro-Investition voller Zufriedenheit auf 1.000 Kilometer Radwegenetz, das nun in seine mit Spannung erwartete erste Saison mit neuem Knotenpunktsystem geht. 

Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, dass ein einflussreicher Zeitgenosse vom Rad steigt, sich die Augen reibt und über seine Lippen bringt: „Echt riesig, was hier passiert ist. Die Leute hier, die haben den Schlaf aus...“.

 

Ausgabe 2 / 15.01.2020

Der Schmetterling heißt die Region willkommen

Er ist genau so selten geworden wie der einst von Liedermacher Reinhard Mey besungene Maikäfer: Der Schmetterling. Neben dem „Willkommen“ zeigt sich die Seite der Internationalen Grünen Woche in Berlin im Netz mit einem solchen farbenfrohen Hingucker, der den Besuch dieser medienwirksamen Messe empfiehlt und damit 1.800 Aussteller aus 61 Ländern und 400.000 Besucher weltweit anlockt. 300 Fachveranstaltungen, Foren, Seminare und Kongresse machen das Gelände unter dem Funkturm zum „Davos im Agrobusiness“. Und der Niederrhein ist dabei.

Trotz der nachdenklich stimmenden Zeiten, in denen die tagesaktuellen Nachrichten eher den Weltfrieden in Gefahr sehen denn den Fokus auf Maikäfer und Schmetterlinge richten, kommt man in Berlin schnell an den Punkt, wo sich Achtung, Anerkennung und Respekt vor den Leistungen der Grünen Branche bündeln. Dieses Schaufenster der Welt zeigt einmal mehr überzeugend auf, dass die Branche in Gummistiefeln, wie manche oberflächlich urteilen, seit jeher klug, weitsichtig und marketinggerecht ihre Nischen pflegt. Wie sonst stellt man bei sich selbst fest, dass man schon als Kleinkind den Namen „Bauer Lamers“ als Vor- und Nachname empfand, dass der Volksmund „Kraut Koppers“ aus Goch oder „Mettwurst Thönes“ aus Uedem zum Synonym für Regionale Produkte machte und die Metzgerei Quartier aus Kleve oder der „Spargelhof Allofs“ aus Walbeck Beruf und Berufung wie selbstverständlich zum Bestandteil des ureigenen Namens reifen ließ?

Dies alles hat auch mit Identifikation zu tun, wie sie Haupt- und Ehrenamtliche gegenwärtig auf der Internationalen Grünen Woche deutlich und dankenswert für uns alle unter Beweis stellen.

Wer denn schon einmal das Glück hatte, für eine gute halbe Stunde lang mit dem Heißluftballon über der von Sonne verwöhnten Region zu schweben, der vergisst es nie: Das Bild der Städte und Gemeinden, der Wasser- und Landstraßen, vor allem aber das naturgeprägte Schachbrettmuster, das Wald und Feld in ein beeindruckendes Miteinander bringt. Alle jene, die sich im Tagesgeschäft um die Farbenpracht dieser Eindrücke bemühen – begleitet von wirtschaftlichen Herausforderungen im Umfeld einer unter Preisdruck stehenden Ernährungsindustrie, von ewig kritischen Begleitern, von Generationswechsel-Problemen und Fachkräftemangel – alle jene stehen derzeit in der Bundeshauptstadt für uns auf dem harten aber imagefördernden Messeboden. Und dies in den meisten Fällen nicht zum ersten Mal.  

„Seit 1926 international einzigartig“, empfindet sich die Internationale Grüne Woche, also im Berlin der Zwanziger Jahre auf den Weg gebracht. Schon drei Jahre später, am 1. Januar 1929, gründete Dr. Walther Klein-Walbeck mit 55 Kleinbauern, Handwerkern und Arbeitern die „Spargelbaugenossenschaft Walbeck und Umgegend“. Sicher ist also, dass die Suche nach Aufmerksamkeit, Interesse und Erfolg nicht ganz neu sind. Und verbrieft, oder besser vertont, ist auch das ewige Ringen um den Weltfrieden und die Geschenke der Natur.

Schon in seinen frühen siebziger Jahren, als der Liedermacher, Poet, Vegetarier und Tierschützer Reinhard Mey „Über den Wolken“ schwebte, teilte er uns in einem seiner vielen Lieder mit: „Und wenn ich denn wüsste, dass morgen die Welt unterginge… so würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Mey konnte schon als junger Pilot die Welt von oben sehen, hat somit das naturgeprägte beeindruckende Schachbrettmuster unter den Wolken mehr als nur einmal erlebt. Will meinen: Setzen wir also auf den Schmetterling, der unsere Region zur Internationalen Grünen Woche willkommen heißt.

 

Ausgabe 1 / 08.01.2020

Plädoyer für die farbenfrohe Schleife

Kreis Kleve – Und fast schon haben wir uns daran gewöhnt. Mit dem mitternächtlichen Silvester-Feuerwerk tragen die Kassenbons – ob als häufig völlig überflüssiger kleiner Streifen von der Ladentheke oder als beeindruckende Rechnung vom Hersteller – die 2020 als Jahreszahl. Vorbei ist einmal mehr die Zeit, die den Wirtschaftswunder-Kindern einstmals als das „Hochfest des Einzelhandels“ verkauft wurde. Die Weihnachtsgeschenke sind ausgepackt, die Umtausch-Hysterie gehört der Vergangenheit an, Raketen und Böller nahmen im Einkaufswagen trotz Greta wie eh und je den Platz ein, wo noch vor wenigen Tagen Christbaumkugeln und heimische Printen ihren Weg zur Kasse fanden. „Alle Jahre wieder“, haben es die Vollsortimenter ihrer erwartungsfrohen Kundschaft einmal mehr vom Endlos-Band über die Köpfe geblasen – wohlwissend, dass doch vieles anders war als früher.

Viel zu oft gab es zum weihnachtlichen Päckchen nicht die farbenfrohe Schleife des Fachgeschäfts vor Ort, sondern die hektischen Gesichtszüge des eiligen Paketdienst-Fahrers zu sehen – driving home for christmas. Längst denken die Stadtplaner in Großstädten weniger über Parkraum für Innenstadt-Besucher nach denn über stadtnahe Standorte für Waren-Verteilzentren, von wo aus lautlose E-Scooter die ersehnte Internet-Fracht – im schlimmsten Falle vorbei an abgedunkelten Schaufenstern – zum Endkunden an die heimische Haustür bringen. Eine Entwicklung, der die zentralitätssteigernden Weihnachtsmärkte mit all´ ihrer Schönheit, ihrer Strahl- und Anziehungskraft nur schwerlich Paroli bieten können. 

Zum Start ins neue Jahrzehnt tut die Überlegung not, wie wertvoll uns der freundliche Empfang im Haushaltswaren-Fachgeschäft ist, was uns der nette Plausch über die Ladentheke oder das persönliche Beratungsgespräch beim Banker unseres Vertrauens wirklich bedeutet. Es macht doch Sinn darüber nachzudenken, ob nicht auch das Einkaufserlebnis vor Ort genau den Weg fortsetzt, auf dem man bereits auf die unsäglichen Plastiktaschen verzichtete, die unsere Weltmeere verdrecken.   

Sonst könnte es noch soweit kommen, dass wir ein schleichendes Einzelhandels-Sterben erleben und wir uns alle neben dem Friday For Future an den Sunday For Shops gewöhnen müssen. Und dies in Erinnerung an die gute alte Zeit, als es im Fachgeschäft noch farblich auf Geschenkkartons abgestimmte Schleifen gab und der Advent die Tage bis zum Christfest zählte und nicht jene bis zur Ankunft des Paketboten. 

Kuypers Hans Josef 520

Eine RP-Kolumne von Hans-Josef Kuypers, Wirtschaftsförderung Kreis Kleve